Ziele

Das Studio für Yoga & Gesundheitsbildung hat folgende Ziele:
  • Erforschung von Gesundheit: Was kann Gesundheit in einem erweiterten Sinne sein? Wie drückt sich Gesundheit auf körperlicher, auf seelischer und auf geistiger Ebene aus?
  • Förderung des Verständnisses von Gesundheit in diesem erweiterten Sinne
  • Aufzeigen von Wegen und Möglichkeiten, wie Gesundheit in diesem erweiterten Sinne gefördert und aufgebaut werden kann

Das Studio für Yoga & Gesundheitsbildung ist keine therapeutische Einrichtung und bietet keine Therapien an. In Bezug auf therapeutische Möglichkeiten wenden Sie sich bitte an die Heilpraxis Egger oder an jeden anderen Arzt oder Heilpraktiker.

Die Frage der Gesundheit

Krankheiten und ihre Symptome sind heute gut erforscht. In Bezug auf die Gesundheit zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild: Gesundheit wird häufig danach gewertet, dass keine positiven Befunde im Sinne von Laborwerten vorliegen und auch keine Symptome verhanden sind. Vielfach sagt man auch, man ist gesund, wenn man sich wohlfühlt. Die WHO definierte Gesundheit in 1948 folgendermaßen: „Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen.“ (1) Diese Definition von Gesundheit erweitert die Negativ-Definition des Fehlens von Krankheit und Gebrechen mit dem positiven Begriff des Wohlbefindens. Es stellt sich jedoch die Frage, was mit „Wohlbefinden“ genau gemeint ist.

Könnte man die Gesundheit nicht weitaus mehr fördern, wenn man auch eine klare Vorstellung davon aufbaut, was Gesundheit ist? Wie zeigt sich Gesundheit bei einem Menschen? Wie sieht er aus? Wie steht er im Leben, in der Arbeitswelt und wie steht er in Beziehung zu seinen Mitmenschen?

Interessant ist auch der Zusammenhang von Gesundheit und Gesellschaftsleben. Der Soziologe und Psychoanalytiker Erich Fromm beschäftigte sich in den 50er und 60er Jahren sehr intensiv mit der Frage von psychischer Gesundheit, insbesondere im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Industriegesellschaft. Er stellte fest, dass in der modernen Gesellschaft derjenige als gesund gilt, der arbeiten kann und Lust erleben kann. Dieser Gesundheitsbegriff ist nicht vom einzelnen Menschen abgeleitet, sondern von der Gesellschaft und ob man gemäß den Regeln der Gesellschaft funktioniert. Es wird hierbei nicht in Betracht gezogen, dass eine Gesellschaft auch krank sein kann und dann dementsprechend die Menschen in einem kranken System eingegliedert werden und Gesundheit auch aus dieser Sicht definiert wird.

Erich Fromm betont, dass es auch objektive Kriterien für Gesundheit geben müsse, die sich nicht von dem herrschenden Gesellschaftssystem ableiten, sondern am Menschen selbst orientieren. In Bezug auf das Kriterium, dass ein Mensch als gesund gilt, wenn er einer Arbeit nachgehen kann, weist er beispielsweise darauf hin, dass hiermit nicht gesagt ist, ob derjenige ein Interesse für seine Arbeit hat oder ob er mit seiner Arbeit nur Langeweile empfindet. In Bezug auf das Erleben von Lust ist ebenfalls nicht gesagt, ob derjenige Lust erlebt, weil er sich im Alkoholkonsum vergessen kann, oder aufregende Lust an Brutalität und Katastrophen erlebt oder ob er Lust an der Freude und an interessanten Dingen erlebt. Erich Fromm kommt in seinen Forschungen zu dem Schluss, dass wir heute in einer kranken Gesellschaft leben, in der pathologische Erscheinungen wie chronische Langeweile, Entfremdung und Bezugslosigkeit zu sich selbst und zum Umfeld, Egoismus und Narzissmus als normal gelten.

Erich Fromm konkretisiert den Begriff der psychischen Gesundheit mit einigen objektiven Kriterien: „Der Natur des Menschen und seiner existentiellen Situation entspricht das Ziel des Lebens: fähig zu sein zu lieben, fähig zu sein, seine eigene Vernunft zu gebrauchen, und fähig zu sein, jene Objektivität und Bescheidenheit zu haben, mit der der Mensch die Wirklichkeit außerhalb von ihm und in ihm selbst in einer nicht-entfremdeten Weise erlebt. In dieser Art von Bezogenheit zur Welt finden wir die größte Energiequelle, abgesehen von jener auf Grund von chemischen Prozessen im Körper erzeugten Energie. Nichts fördert das Kreative mehr als die Liebe, vorausgesetzt, sie ist echt. Es gibt kein besseres Fundament für jede Art von Sicherheitserleben und für ein ‚Ich‘-Gefühl, das ohne Krücken für das Identitätserleben auskommen will, als mit der Wirklicheit in Berührung zu sein; diese Art von Bezogenheit ermöglicht es uns, Fiktionen aufzulösen und zu jener Bescheidenheit und Objektivität fähig zu sein, die uns die Wirklichkeit so sehen läßt, wie sie ist, so daß wir nicht mehr über Dinge reden, die uns von der Wirklichkeit trennen. (2)

Dieser Beschreibung von psychischer Gesundheit liegt insbesondere das Kriterium einer objektiv wahrnehmenden, bescheidenen und von Vernunft getragenen Bezugsfähigkeit mit der Wirklichkeit in sich selbst und außerhalb von sich selbst und die Fähigkeit zu lieben zugrunde. Ein Mensch zum Beispiel, der keine körperlichen Erkrankungen aufweist, aber in einer völligen ideologischen Verblendung lebt und anderen seinen Willen aufzwingt, kann nach dieser erweiterten Sicht von Gesundheit nicht als gesund angesehen werden.

Eine sehr interessante und noch weitreichendere Beschreibung von Gesundheit findet sich bei dem Heilpraktiker und Begründer des Neuen Yogawillen Heinz Grill. Er erweitert die Frage der Gesundheit mit dem Kriterium der Fähigkeit, an zerstörenden Einflüssen zu wachsen und diesen gegenüber aufbauende Kräfte zu schaffen:

„Die Gesundheit, nach einer wohlerwogenen Betrachtung, bildet die Fähigkeit des Menschen, sich gegen die zerstörenden Einflüsse, die es überall gibt, produktiv aufzurichten, nicht nur zu wehren, sondern sogar daran zu einem gewissen Grade zu wachsen, den Missständen, Aggressionen oder unpässlichen Einflüssen zu begegnen und schließlich auf allen Ebenen, zunächst auf der körperlichen, sodann auf der seelischen und zuletzt auf der geistigen Ebene, eine deutliche Aufbaukraft herzustellen.“ (3)

Mit diesen Beschreibungen der Gesundheit von Erich Fromm wie auch von Heinz Grill wird jedenfalls sehr deutlich, dass Gesundheit weit mehr ist als das Fehlen von Krankheit und Gebrechen und auch weit über einen Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens hinausgeht. Gesundheit bedeutet unter anderem die Fähigkeit, sich mit der Wirklichkeit in Beziehung zu bringen und zerstörenden Einflüssen mit dem Aufbau von Kräften schöpferisch begegnen zu können.

– – – – – – – – – – – – – –

Fußnoten: